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Motorradfreunde Meerbusch Reisebericht Schweiz 2003 / www.mfm1973.de

Reisebericht Schweiz 2003
 

Mein Freund Robert hat mich eingeladen, mit dem "Töff" in die Schweiz zu kommen. Er bräuchte meine Hilfe und hätte vielleicht auch die Zeit, einen Tag mit mir die Pässe zu räubern. Diese Reise wollte ich nicht auf der Autobahn runterreißen. Deshalb schon im Vorfeld einiges abgeklärt. Im Boxer-Forum mal angefragt, ob nicht irgendwo neu Scheune oder Wiese für die übernachtung im Schwarzwald oder Vogesen bereitsteht. Auf dem Rüsseltreffen Silke (aus dem Schwarzwald) angequatscht, ob sie nicht einen Platz für mich kennt. Tatsächlich hat sie mich eingeladen , mit Ihr und Ihrem Holger (der mir zu diesem Zeitpunkt noch ein Fremder ist) ein einen schönen Abend und auf der Luma im Arbeitszimmer eine ruhige Nacht zu verbringen. Auch das BoFo war ein Erfolg. Da schreibt mir doch Frank aus der Pfalz (vorher nicht gekannt und nie gesehen) ich könnte in seiner Hütte am Nordrand der Vogesen übernachten. Bei rechtzeitiger Anmeldung würde er mir den Schlüssel hinterlegen. Super, dann brauch ich ja nicht einmal ein Zelt mitnehmen! Alles klar und Planung komplett. Nur der Rückreisetermin steht noch nicht ganz fest, wird aber um den 21.9 erfolgen.

Sonntagmorgen 14.9.03 war in Neuss gegen 10 Uhr Aufbruch in Richtung Tuttlingen. Die Sonne scheint und alles stimmt für eine Reise. Zuerst einmal einige Kilometer auf der A61, die langweilige Kölner Bucht hinter sich lassend, bis nach Koblenz. Dort ab in den Hundsrück und weiter durch das Nahetal, noch fast den Pfälzer Wald gestreift und dann wieder eine kleine Strecke bis Karlsruhe auf der Bahn. Nu ab in den Schwarzwald. Hier kenn ich mich aus, weil ich immerhin einige Wochen in Karlsruhe gearbeitet und im Moosbronn (Schwarzwald) genächtigt habe. Natürlich auch damals mit der Q (noch die RS). Da gab's an langen Sommerabenden nichts schöneres als die Gegend erkunden. Das eine Knöllchen war's auch damals schon wert. Der Black Forest hat viele tolle Sträßchen, die alle zu fahren sind, solange man wegen dem Verkehr die Bundestrassen meidet. Also möglichst auf Nebenstrecken vorbei an Bad Herrenalb, Gernsbach, Forbach, großräumig Freudenstadt umfahren, Bad Rippoldsau, Wolfach, Schramberg, Sankt Georgen, Vöhrenbach Donaueschingen und gegen 18 Uhr in Geisingen einfliegen. Dank GPS auch sofort das Haus von Silke und Holger gefunden und die Q nach 450 km geparkt. Kaum stehe ich neben dem Bock, da geht die Tür auf und Holger kommt heraus. Erst einmal Bist du... Ja ich bin..., dann gleich die Einladung Silke auf einer Verbraucherausstellung abzuholen und ein Bierchen zu trinken. Schnell vorher noch das nötigste vom Bock in den Flur gelegt und los. Später schloss sich ein gemütlicher Abend in der Dorfpizza mit umfassenden Plausch an. Was für ein Tag.

Am nächsten Morgen muss Holger leider früh raus, so dass Silke und ich alleine ausgiebig Frühstücken und Quatschen. Gegen 10 Uhr werde ich langsam unruhig und möchte wieder die Q scheuchen. Nochmals Danke, die Hoffnung sich bald wieder zu sehen und alles Gute.

Erste einmal ging es bei Sonne und warmen Wetter über die grüne Strasse nach Engen und weiter auf ganz kleinen Strassen entlang bewaldeter Täler in Richtung Schaffhausen in die Schweiz (3 mal über die Grenze ohne Kontrolle). Dann ging es an Frauenfeld und Wil vorbei in Richtung Wattwil und weiter Richtung Buchs. Diese Strecke hatte etwas vom Allgäu und war sehr ruhig und schön. Bei Buchs habe ich einen Abstecher nach Lichtenstein gemacht und bin über den Luzisteig wieder in die Schweiz. Diese Luzisteig ist eine enorme Festung, die früher wohl den Grenzübergang bewacht hat. Die Straße wird hier über panzerabwehrende Gräben und 2 schmale Tore durch die Festung geführt. Heute ist das ganze Areal wohl eher ein Ausflugsziel, obwohl auch fiel Militär unterwegs war. Der Rest der Strecke war eher langweilig und führte neben der Autobahn (keine Viniette = keine Autobahn) nach Chur, Domat/Ems und dann auf die B19 ins fordere Rheintal.

Zu Chur währe noch zu sagen: wenn möglich vermeiden! Diese Stadt liegt so, dass entweder die Autobahn gefahren oder als Transitstrecke die Ringstrasse genutzt werden muss. Die Ringstrasse sollte aber umbenannt werden in Kreisverkehrstrasse, da sich auf Ihr über ca. 2,5 km alle 200-300 m ein Kreisverkehr befindet.

Das Rheintal ist wieder ganz nett aber die Strasse sehr voll. Gegen 15 Uhr war ich endlich bei meinem Freund Robert in Ruschein oberhalb von Ilanz angekommen und hatte in diesen 2 Tagen ca. 950 km zurückgelegt.

Von Dienstag bis Donnerstag wahren wir komplett mit Arbeit voll gestopft, so dass wir uns nur Abends, im Dunkeln mal ein wenig in die Berge begeben konnten. Leider hatte Robert doch keine Zeit für eine Tour. Deshalb plante ich die Rückreise schon für Freitag. Hierdurch hatte Frank, der gerade die Gegend um den Lago di Como unsicher machte, leider nicht die Möglichkeit mir den Schlüssel zu hinterlegen. "Ist aber nicht so schlimm, da die Tür mit einem Trick zu öffnen ist" sagte er. Bei dem Superwetter mache ich mir überhaupt keine Sorgen. Hauptsache die Wiese ist groß genug für meine Matratze.

Los ging es um 9 Uhr mit der Fahrt durch das obere Ende des Rheintals bis nach Disentis. Dort verlies ich den Rhein und stürmte gen Oberalppass. Der ist ja nun schon ein alter Bekannter von mir und genau das richtige um sich warm zu schaukeln. Die nächsten Stationen war Andermatt und der Furkapass (2431m). Dieser Pass ist ein Gedicht mit gut ausgebauten Strassen und, wenigstens an diesem Tag, wenig Verkehr. Die Anfahrt führt durch ein langes, schmales Tal in dem die Hänge mit verschiedenen Kräutern und Flechten bewachsen sind, die nun schon in allen Rot- und Grüntönen leuchteten. Wer hier lang fährt riecht woher der Alpkäse seinen Geschmack hat.

Wenn du auf dem Pass angekommen bist, kannst du auf der anderen Seite in ein Tal schauen, welches nur dafür da zu sein scheint, um Spaß am Fahren zu vermitteln. Rechts ist der Rhonegletscher, in dem man auch hineingehen kann. Natürlich wieder Touristennepp im dem Ort mit dem schönen Namen Belvédere der nur aus Gaststätten und Andenkenläden besteht. Im Talgrund liegt die Ortschaft Gletsch bestehend aus 4 Häusern (alles Kaffees) und einer Kreuzung. Von hier geht es entweder der jungen Rhone folgend und eingegrenzt von Gipfeln jenseits der 3000-Meter-Grenze nach Brig oder hinauf zum Grimselpass (2165m) Die Abfahrt vom Furka und die Auffahrt zum Grimsel sehen von oben aus, als wenn sie sich verknoten und man meint bei der klaren Bergluft die Gesichter der Leute auf dem anderen Pass zu erkennen. Mein Weg führt zum Grimsel. Also nichts wie über 12 Kehren runter ins Tal um auf der anderen Seite über weitere 7 Kehren den Grimsel zu erklimmen. Oben angekommen hat man einen wunderschönen Blick auf die gerade gefahrene Strecke. Man mag nicht glauben, dass es mehr als eine ½ Stunde gedauert hat, eine Strecke zu fahren, die den Eindruck erweck, der Start- und Zielpunkt liegen 2-3 Steinwürfe entfernt.

Nun kam eine Strecke mit mehr Verkehr über den Brünigpass bis Biswil. Ab hier gehts über den Glauben-Büelenpass. Diese Strecke ist streckenweise so schmal, dass Auto und Motorrad nicht nebeneinander passen und führt an der Baumgrenze entlang durch über die Alp. LKW´s dürfen immer nur in einer Richtung fahren (gerade Stunde von Süd nach Nord, ungerade Stunden andersrum). In meiner Karte wird diese Strecke zu Recht als Panoramastrasse benannt. Allerdings war gerade Alpabtrieb und deshalb musste ich mehreren Kuhherden und auch vielen glitschigen "Tretminen" ausweichen. Es folgte das Berner Oberland und dann die Ballungszentren um Basel die ich gut umfahren konnte. Wieder über die grüne Grenze ging es nun nach Frankreich. Vorbei an Altkirch nach Cernay war die Strecke nicht so schön. In Cernay musste ich nur kurz suchen um den Einstieg zur Route des Crétes zu finden. Jetzt wurde es wieder Spaßig. Die Namen Grand Ballon, le Markstein, Hohneck, Col de la Schlucht, Col du Bonhomme sprechen für sich und beschreiben wohl eine der schönsten Strecken durch die Vogesen. Dieses mal sogar fasst ohne Verkehr. Zwischendurch Tanken einen Weichkäse und ein Baguette gekauft und weiter. Leider wurde es nun etwas knapp mit der Zeit. Deshalb nun eine schnelle Route über Fraize, la Croix-aux-Mines, Bertrimoutier, Col de Saales bis nach Schirmeck wählen um ab hier über den Col du Donon und auf der D993 durch den Foret de Turquestein zu eilen. Noch ein paar Nebenstrassen und Dank guter Beschreibung gegen 20 Uhr auf dem Grundstück am Etang du Stock angekommen.

Das waren 650 km schönste Pass- und Landstrasse für diesen Tag und folglich konnte ich mich richtig für einen frühen Besuch der Penntüte begeistern. Vorher habe ich erfolglos noch den Trick für die Tür ausprobiert. Da ich aber eh alles, was ich benötigte mithatte, war das nicht tragisch. Deshalb habe ich im letzten Abendrot unter dem Vordach der Hütte meine Luma aufgepumpt und die Penntüte drauf ausgerollt. Noch etwas Baguette mit Käse und Wasser als Abendbrot und den Sternenhimmel genießen. Gut das ich Autan gegen die Mücken mithatte da der Etang du Stock ein See ist an dem diese Viecher gut gedeihen. Schnell eingerieben, noch eine Blindschleiche aufgeschreckt, als ich mal für kleine Jungens musste und dann schlafen.

Am nächsten Morgen wurde ich bei 8°C wach und verzichtete auf die kalte Dusch unter freien Himmel. Schnell war gepackt und um 6:30 Uhr beim ersten Morgenrot waren meine Q und ich wieder auf der Strasse. Der Fuchs am Straßenrand schaute genau so verdattert wie 3 km weiter die Wildsau als ich durch die Nebelschwaden entlang des Sees fuhr. Es ging der Sonne entgegen, die, als ich die Reste des Abendessens am Rande des Parc Naturel Regional des Vosges du Nord frühstückte, wieder genug Wärme lieferte. Der Weg führte mich weiter nach Norden. Auf der französischen Seite der Grenze fuhr ich auf einer regulären Strasse, die an der Grenze zu einem Forstweg wurde. Egal und ab durch den Pfälzer Wald. Am Johanneskreuz machte der Wirt gerade erst die Türe auf, als ich mir meinen Frühstückskaffee gönnte. Nun noch das Nahetal queren und eine schöne Strecke durch den Hundsrück nach Buchholz suchen. Dort machte ich bei einem Freund Mittagpause. Nach 2 Stunden Pause ging es bei Boppard für die letzten 150 km auf die Autobahn. Gegen 16 Uhr hatte ich meine Q in der Garage und bei der Rückreise ca. 1150 km gefahren.

Zu erwähnen bleibt, dass die Feier bei Freunden, die ich nun unerwartet doch an diesem Abend besuchen konnte, für mich recht früh ein Ende hatte.





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